Wohngebiet Dornberg in Mühltal

Verkehr Wohngebiet Dornberg

Reizwort Verkehr – zählen statt spekulieren

In der Diskussion um das Projekt Dornberg kommt immer wieder das Thema Verkehr zur Sprache. Wir haben Verständnis für die Bedürfnisse und Befürchtungen der Bürger, möchten die Diskussion aber auf eine realistische Basis stellen. Zum einen geht es da um den Baustellenverkehr, zum anderen um die spätere Entwicklung des Individualverkehrs. Manche scheinen davon auszugehen, dass die Menschen mit Behinderung, die hier lange Zeit lebten, weniger Autofahrten verursachen als andere Bürger. Wir haben mal nachgezählt. Außerdem wurde im vergangenen Jahr das Haus Magdala auf dem NRD-Gelände abgerissen. Dabei haben wir den Baustellenverkehr akribisch erfasst.

Im Schnitt zwei Lasterfahrten am Tag

Abriss Haus Magdala

Am 26. Mai 2017 hat der Abriss des Hauses Magdala mit rund 7.600 Kubikmetern umbautem Raum auf einer Grundfläche von 500 Quadratmetern begonnen – am 24. Oktober war alles beendet. Welche Verkehrsbelastung war mit der Niederlegung des Hauses verbunden? Darüber gibt der dicke Ordner, den der zuständige NRD-Architekt Michael Simon geführt hat, genau Auskunft. An den 107 Arbeitstagen haben insgesamt 103 Laster die Baustelle angefahren und sind wieder abgefahren, es wurden also 206 Wege erzeugt. In der Regel kamen die Lastwagen aus Richtung Autobahn über die Berg- und Wichernstraße an die Baustelle und haben sie auf diesem Weg auch wieder verlassen. Zwei Lasterwege pro Tag – das ist nicht viel. Von einer realen Belastung für die Anlieger an Berg- und Wichernstraße kann in den Tagen zwischen dem 26. und 28. August 2017 gesprochen werden. An diesen drei Tagen transportierte die Firma Ross große Mengen Bauschutt und fuhr dazu mit Sattelschleppern insgesamt 77 Mal die Baustelle an. An diesen drei Tagen erzeugten die Laster also 154 Wege von Sprendlingen zur Baustelle und dann immer wieder zwischen Baustelle und Bürstadt zu einem weiterverarbeitenden Betrieb – das waren fünf LKW pro Stunde zwischen 7 und 17 Uhr. Wie gesetzlich vorgeschrieben, wurde der Bauschutt gründlich sortiert und getrennt entsorgt. Holz, Metall, Dämmstoffe und Gipskarton waren die Abfallarten, die beim Haus Magdala anfielen, abgesehen vom Bauschutt. Sehr zufrieden zeigte sich Michael Simon, der den Fortgang des Abrisses täglich in Augenschein nahm, mit der Sorgfalt der Bauarbeiter: „Bevor die mit Bauschutt beladenen LKW den Rückweg antraten, wurden die Ladeflächen immer sorgfältig mit Planen überspannt und die LKW abgekehrt, so dass unterwegs kein Schmutz oder Staub durch die Gegend fliegen konnte.“

Viele Wege werden mit den roten Bussen zurückgelegt

Dreieinhalb Wege pro Mensch und Tag

Seit 500 Jahren hat sich die Tatsache nicht geändert, dass jeder Mensch am Tag dreieinhalb Wege zurücklegt. Die Zahl ist laut Information des Verkehrsclubs Deutschland seit Luthers Zeiten unverändert – nur bewegen sich Menschen heute oft mit dem Auto. Ob man als Single, in der Familie, in der Hausgemeinschaft eines Pflegeheims oder in der Wohngruppe der Behindertenhilfe lebt, macht da keinen Unterschied. Entweder legt ein Mensch die Wege zur alltäglichen Versorgung selbst zurück oder andere tun dies für ihn. Im Haus Arche wohnen derzeit noch rund 65 Menschen mit Behinderung in sieben Gruppen. 22 von ihnen, sprich zwei Gruppen, haben wir näher betrachtet: Acht Mitarbeiter sind täglich notwendig, um die Menschen in beiden Gruppen zu betreuen, hinzu kommen zwei Reinigungskräfte und zwei Nachtwachen. Allein diese zwölf Mitarbeiter erzeugen 24 Fahrten pro Tag. Vier Mitarbeiter der Seniorenbetreuung steuern zudem täglich die Arche an und fahren auch wieder weg. Nicht zu vergessen der Hausmeister, der an jedem Werktag da ist. Sechs Busse bringen Bewohner an den Werktagen zur Tagesstätte oder in die Werkstätten und wieder zurück – 12 Fahrten pro Werktag. Eine der beiden Gruppen bezieht an den Werktagen das Mittagessen aus der NRD-Küche, die andere Gruppe kocht an drei Tagen selbst. An sieben Tagen wird also Essen angeliefert und später werden die Wärmebehälter wieder abgeholt. Das sind 14 Wege pro Woche. Einmal in der Woche macht eine Gruppe einen Ausflug, einmal kommt die Großlieferung an Lebensmitteln aus dem Supermarkt, einmal fährt die Hauswirtschaftskraft zum Einkaufen. Wöchentlich kommen außerdem die Apotheke, der Getränkelieferant, die Müllabfuhr, der Arzt und eine Lieferung von Putzmitteln. Windeln für das ganze Haus werden gesammelt bestellt, aber fast täglich in Einzellieferungen gebracht. Einmal im Monat kommen Fußpflege und Friseur ins Haus. Nicht gezählt, aber häufig im Haus, sind Angehörige und gesetzliche Betreuer, aber auch regelmäßig Handwerker. Fazit: Die 600 Menschen mit Behinderung, die lange Zeit auf dem Zentralgelände der NRD lebten, haben im Großen und Ganzen genauso viel Verkehr verursacht wie jeder andere Bürger von Mühltal. Die 600 Menschen, die in den kommenden zehn Jahren in das neue Wohngebiet einziehen sollen, werden natürlich ebenfalls Verkehr verursachen. Vielleicht aber etwas weniger, weil das Gelände zumindest alternative Angebote zur Nutzung des eigenen Autos macht.

Eine fundierte Prognose zur Verkehrsentwicklung finden Sie hier im „Fachgutachten Verkehr 2017“ von Prof. Dr.-Ing. Jörg von Mörner.

Verkehrsführung und Anbindung des Wohngebiets Dornberg

Verkehrsführung und Anbindung des Wohngebiets Dornberg

KFZ-Verkehr Wohngebiet Dornberg

Ansicht Wichern-Bergsstr
  • KFZ-Verkehr erreicht etwa wieder Menge der Jahre 2000-2005
  • Verkehrszählung wurde im September 2016 durchgeführt
  • Verkehrsmengenprognose inkl. Dornberg:

Dornwegshöhstr. ca. 3.000 KFZ/24 h
Stiftstr. ca. 2.200 KFZ/24 h
Bergstr. ca. 2.200 KFZ/24 h

Fazit:

Das bestehende Straßennetz war und ist in der Lage, nach den gültigen Bewertungsmaßstäben den Verkehr im Tagesdurchschnitt und in den Spitzenstunden aufzunehmen.