Wohngebiet Dornberg in Mühltal

Auf dem Weg zum Dornberg

20.06.2018

Fragen an Dipl.-Ing. Martin Bullermann zum Entwicklungsgebiet Dornberg

Martin Bullermann ist Gründer und einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter der Umweltplanung Bullermann Schneble GmbH mit Sitz in Darmstadt. Das unabhängige Planungsbüro widmet sich mit seinem interdisziplinären Team seit fast 30 Jahren bundesweit verschiedensten Aufgabenstellungen in den Bereichen Infrastruktur und Umwelt. Martin Bullermann ist darüber hinaus aus vielen erfolgreichen Entwicklungen von Bauland in der Region bekannt, wie z. B. dem Gewerbepark Ruckelshausen in Mühltal und dem MIAG-Gelände in Darmstadt.


Herr Bullermann, was genau ist denn Ihre Rolle im Projekt Dornberg? Welche Aufgaben und Verantwortungsbereiche begleiten Sie dort?

Ich bin von der NRD mit der Projektentwicklung beauftragt. Das heißt, die Koordinierung und Organisation aller Belange, die im Rahmen der zukünftigen Bebauung relevant sind. Beispiele sind das Wettbewerbs- und das Bebauungsplanverfahren, Abstimmungen mit Projektbeteiligten und Erstellung von Zeit- und Kostenplänen.

Welche Bedeutung hat das Projekt Dornberg für Mühltal?

Es ist ja allgemein bekannt, dass wir in Deutschland – wie auch in Mühltal – einen enormen Bedarf im Wohnungsbau haben und zwar im gesamten Spektrum – vom sozialen Wohnungsbau bis in den hochwertigen, individuelleren Bereich hi-nein. Die politischen Zielvorgaben gegen die Wohnungsnot können bisher jedoch nicht erfüllt werden, weil das Bauland knapp ist. Und hier haben wir mit dem Dornberg die eher seltene Gelegenheit, ein bereits genutztes Gelände mit einem wirklich tollen städtebaulichen Entwurf umwandeln zu können, der die unterschiedlichsten Wohnungsangebote umfasst und ein herausragendes Wohnumfeld mit hoher Lebensqualität bieten wird.

Welche Vorteile hat denn die Umwandlung im Vergleich zu einer Neuerschließung?

Es ist ein großer Vorteil des Geländes, dass es bereits er-schlossen ist und zum Beispiel die Strom-, Wasser- und Ab-wasserversorgung schon vorhanden ist. Die Kapazitäten aus der bisherigen Nutzung reichen völlig aus für das neu entstehende Quartier. Dadurch werden Ressourcen geschont und die notwendigen Baumaßnahmen reduzieren sich. Auch die zentrale Lage innerhalb des Ortes ist sehr positiv gegenüber einer Neuerschließung auf der grünen Wiese irgendwo außerhalb, weil sie schon heute ganz andere Verkehrskonzepte ermöglicht. Und wir haben hier die NRD, den bisherigen Grundstückseigentümer, als einen sehr verantwortungsvollen Projektpartner mit hohem sozialen Bewusstsein und einem sehr engen Bezug zur Region. Das ist eine ideale Situation.

Wie sieht es bei einem so großen Gelände mit der Baustellenbelastung für die umliegenden Bewohner aus?

Auch das wurde in der Planung von Anfang an berücksichtigt. Um es für die Anwohner erträglich zu machen, werden die Baumaßnahmen über einen längeren Zeitraum von rund 10 Jahren stattfinden, anstatt das Ganze schnellstmöglich aus dem Boden zu stampfen. Somit wird z. B. der Baustellenverkehr für die Bauabschnitte vergleichbar mit laufenden Baumaßnahmen in Mühltal oder z. B. der Bebauung am Fliednerplatz sein.

Die neuen Bewohner dürfen sich auf ein sehr lebenswertes Wohnumfeld mit viel Grünflächen, verkehrsberuhigten Zonen und idealen Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer freuen. Was haben die übrigen Mühltaler vom neuen Quartier?

Die Kommune als Ganzes profitiert von den neuen Mitbürgern. Sie werden dazu beitragen, den Versorgungsbestand an Gastronomie, Einzelhändlern, Ärzten und anderen Dienstleistern vor Ort zu sichern oder sogar zu verbessern. Die neuen Einwohner werden über die Einkommenssteuer zur Finanzierung der gesamten Gemeinde beitragen. Und Gewerbebetriebe in Mühltal haben den Vorteil, dass Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Wohnungsangebote vor Ort zur Verfügung stehen.

Das sind vor allem gute wirtschaftliche Argumente – wie sieht es in anderen Bereichen aus?

Da gibt es ganz verschiedene Aspekte. Zum Beispiel werden zu den bestehenden Kitaplätzen auf dem Gelände rund 50 hin-zukommen. Außerdem wird es einen sehr schönen öffentlichen Spielplatz geben, und auch der Park an der Lazaruskirche ist für die Öffentlichkeit gesichert. Dazu gibt es weitere sehr attraktive Grünflächen mit zum Teil altem Baumbestand, aber auch mit Neupflanzungen. Die hohe Aufenthaltsqualität des Dornbergs wird allen Menschen zugute kommen. Nicht zuletzt wird auch das Image Mühltals durch das innovative Quartier gefördert. Ein Thema, das heute immer wichtiger wird.

Wie verbindlich ist denn der vorliegende städtebauliche Entwurf? Kann es passieren, dass ein Bauträger hier ein Grund-stück kauft und dann statt des geplanten Mehrfamilienhauses mit erschwinglichen Mieten doch nur eine luxuriöse Villa baut?

Nein, das ist nicht möglich. Die einzelnen Grundstücke werden selbstverständlich in Konzeptverfahren mit einem verbindlich definierten Bauentwurf im Kaufvertrag vergeben. Damit sind die Bauherren verpflichtet, genau das zu bauen, was im vorliegenden Entwurf auch geplant ist. Davon dürfen sie nicht abweichen, ansonsten kommt es zur Rückabwicklung.

Wie geht es nun weiter auf dem Weg zum Dornberg?

Wir bewegen uns gerade auf die Offenlegung des Bebauungsplans zu, die im Herbst erfolgen soll. Ich denke, dass die Gemeindevertretung zum Jahresende die Satzung beschließt, damit dann möglichst noch 2019 der Beginn der Vermarktung und die Erschließungsarbeiten folgen können. Es wird höchste Zeit – 2020 sollen schließlich die ersten Gebäude errichtet werden und damit Wohnungsangebote da sein.


Das Interview führte Michael Neser für die Zeitung "transparent" und ist in Ausgabe 3 - Juni 2018 enthalten.


Grafik Dornberggelände Planungsstand